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Pressebericht 2001 (1)

Bei „Südwind“ wehte der Geist der Musik durch die Halle

MITTELBIBERACH (WM) - Den "Geist der Musik" geatmet hat das Blasorchester Südwind": in der vollbesetzten Mehrzweckhalle von Mittelbiberach bot das 60-köpfige Ensemble, geleitet von dem amerikanischen  Spitzendirigenten Ronald Johnson, sinfonische Blasmusik in höchster Vollendung.

Schon nach den Eingangstakten der klangprächtigen "Prozession der Ritter" aus der Oper "Mláda" von Nikolai Rimsky-Korsakov war zu vermuten, dass dies ein außerordentliches Konzert werden würde. Denn auf dem Podium stand, besser arbeitete - ja tanzte ein Dirigent, dem Musizieren sinnliches Vergnügen bereitete, und dem ein Orchester zur Verfügung stand, das den präzisen Einsätzen und der ausdrucksvollen Gestik des charismatischen Dirigenten mit höchster Konzentration folgte. Dr. Ronald Johnson ist gelernter Schlagzeuger, lehrt an der "University of Northern lowa" und ist künstlerischer Leiter der "Wind Symphonie" (symphonisches Blasorchester). Zwar sei das technische Niveau seiner amerikanischen Musiker sehr hoch, sagt Johnson im Gespräch, aber es fehle oft der "spirit of music". Den habe er bei seinen Probewochenenden mit den überwiegend oberschwäbischen Musikern schätzen gelernt.

Besonders beeindruckt zeigte sich der durchweg auswendig dirigierende Musikprofessor aus Amerikas Wildem Westen von Hingabe und Probenfleiß von "Südwind". Wie sorgfältig Johnson mit dem Orchester bei den beiden Probenwochenenden gearbeitet hatte, zeigte sich bei der Wiedergabe von Richard Wagners Trauermusik. Beeindruckend die präzisen Einsätze der Einzelregister und ihr transparenter "Sound", höchstes Entzücken bereitete der warme, weiche Klang des großen Blechs. Nach der prächtig orchestrierten "Xenia Sarda" von Hardy Mertens, musikalischen Impressionen aus Sardinien, folgte mit dem "Concertino" von David Gillingham ein höchst aufregendes Stück.

Die Komposition für "vier Schlaginstrumente und Blasorchester" gab Heike Braiger und Michael Porter Gelegenheit zu großartigen Soli. Faszinierend die vielfältigen Klangmischungen von klassischem Schlagwerk, Marimbaphon, Vibraphon, Xy­lophon, sowie Glocken, Becken, Tri­angel und Harfe (!). Das virtuose Kön­nen der beiden Laupheimer Schlag­zeuger sowie von Laima Svarlyte, Lu­zia Jans und Holger Koppitz hono­rierte das Publikum mit stehenden Ovationen.

Viel Beifall auch für Christian Segmehl (Sopransaxophon), Ludwig Kibler (B-Klarinette) und Tobias Zinser, der in "Poem" von John Frantzen anrührend das Leben eines mit 14 Jahren verstorbenen Trompeters nachzeichnete. Auch in vier Klangimpressionen aus der Oper "Der Mond" von Carl Orff und in dem avangardistischen Stück "Escape from Platos Cave" von Stephen Melillo zeichnete sich das Orchester "Südwind" aus.