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Pressebericht 2009 (1)

Schwäbische Zeitung, Lokalausgabe Laupheim, 17.03.09


Musikalischer Aufschrei bewegt Zuhörer


LAUPHEIM - Als "Drama der modernen Menschheit", als eine "verdichtete Gesamtaussage" haben Dirigent Peter Vierneisel und Regisseurin Andrea Conrad das Konzert zum zehnjährigen Jubiläum von "Südwind" im Kulturhaus konzipiert. Die gut 500 Besucher waren von den besten Blasmusikern Oberschwabens und den Solisten sehr beeindruckt.


Der Mensch sehne sich nach Einheit mit sich und der göttlichen Natur, er taumele wie "ein blinder Wanderer in der Nacht durch sein Leben", schreibt Peter Vierneisel im Vorwort des Konzertprogramms und beruft sich dabei auf Gedanken von Friedrich Hölderlin. Der raunt in einem Kapitel seines Briefromans "Hyperion" unter anderem: "Ées ist wie ein geistig Wasser, das aus der Tiefe der Berge quillt, und die geheime Kraft der Erde uns mittheilt in seinem krystallenen Tropfen".
Ähnlich kryptische Sätze aus dem Off, Düsternis, Gedanken und Vorahnungen vom Ende der Zeit beherrschten das mit Lichtinstallationen und Filmsequenzen angereicherte Konzertprogramm. Doch auf der ständig abgedunkelten Bühne agierte unter der Leitung von Peter Vierneisel ein Blasorchester der Extraklasse. Faszinierend das Zusammenspiel von Musik und Film, vor allem in Stephen L. Melillos "Last World Standing", einem aufrüttenden multimedialen Friedensappell. Zu Beginn und Ende der Komposition werden die brachialen Klangcluster mit entsetzlichen Bildern etwa von Leichenbergen und Massengräbern aus dem KZ, von mörderischen Szenen aus dem Vietnamkrieg unterlegt. Diese Szenen werden konterkariert durch das anrührende Solo "In the meadow - auf der Wiese" des Tenors Martin Kiener, der das mit ausdrucksvoller Stimme singt.


Frostige Trostlosigkeit


Vom möglicherweise bevorstehenden Untergang, von den Schrecken des Daseins, handelt auch Rolf Rudins Komposition "Vom Ende der Zeit - eine Vorahnung". Untermalt werden diese musikalischen Impressionen von Bildern düsterer Baustellen in Dunst und Nebel, von frostiger Trostlosigkeit. Dirigent Peter Vierneisel deckt mit "Südwind" die fein ziselierten Strukturen des Stücks auf, das Pianissimo des Orchesters ist schwebend-zart und schildert meisterlich Tristesse und Hoffnungslosigkeit des Daseins. Und wenn das Ensemble mit musikalischen Aufschreien die Dissonanzen des Lebens darstellt, dann lässt das keinen Besucher kalt.
Nicht so überzeugend indes war der Bezug von Film und Musik in Pavel Stanéks "Notturno" für Violoncello und Harfe. Während Tatjana Schütz (Harfe) und der Cellist Jan Hendrik Rübel, sensibel begleitet von "Südwind", überzeugten, waren die dazu eingespielten Filmsequenzen etlichen Besuchern rätselhaft. Was hat die ständig mit einem Schleier hantierende Frau mit der "Rückkehr ins Innere und für Schönheit" zu tun?
Wunderschön hingegen Südwinds Interpretationen von Johann Sebastian Bachs "Toccata und Fuge d-Moll" (BWV 565) und dem abschließenden, Gottfried Heinrich Stölzel zugeschriebenen Choral "Bist Du bei mir" (BWV 508). Die tief beeindruckten Besucher bedankten sich mit herzlichem Beifall.