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Pressebericht 2010 (2)

Südwestpresse (Erschienen: 02.03.2010)

Über Rom zum Jazz

Ehingen. Jedes Jahr bläst das Orchester "Südwind" in der Lindenhalle aus einer anderen Richtung. Heuer dirigierte der Italiener Lorenzo Della Fonte die Musiker und ließ auch italienische Komponisten hören. Erstklassig.

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Strahlen über ein gelungenes Konzert: Die Ehingerinnen Corinna Henger vorn an der Querflöte, ganz rechts im Hintergrund Sara Frank. Foto: Christina Kirsch

 

Seit elf Jahren lädt das Auswahlorchester "Südwind", eine Privatinitiative mit Musikern aus dem Raum Oberschwaben, in die Lindenhalle ein. Und jedes Mal ist die Aufführung, die von renommierten internationalen Dirigentenpersönlichkeiten geleitet wird, ein Ereignis. Auch heuer wurden die Zuhörer in der gut besuchten Lindenhalle nicht enttäuscht.

Der italienische Dirigent Lorenzo Della Fonte hatte mit den etwa 60 Musikern, die sich aus Lehrkräften, Vereinsdirigenten und Musikstudenten zusammensetzen, den wohl bekanntesten italienischen Komponisten einstudiert. Giuseppe Verdis Ouvertüre aus "Nabucco" machte den festlichen Anfang eines Abends, an dem das Orchester auch einen Abstecher in den Jazz wagte. Getragen und heroisch, sparsam in den Gesten, aber mit großer Präsenz dirigierte Della Fonte das Orchester, das vor elf Jahren auf Initiative von Volker Frank zusammengekommen war und seitdem jährlich konzertiert. Der Musiklehrer und Organisator spielte auch heuer wieder mit der Bassklarinette mit. Seite an Seite mit seiner Frau Sara Frank.

Auf den Verdi-Klassiker, dessen Freiheitschor "Va pensiero, sullali dorate" die Italiener in den Rang einer Nationalhymne erhoben, folgte eine Komposition von Lorenzo Della Fonte selbst. In seinen "Verdi Variations" stellt der Komponist das Hauptthema zunächst in Moll vor. Darauf folgten sechs Variationen als rhythmische Fragmentierungen, Choral, Zwischenspiel oder auch als Marsch. Auch die Bläsersinfonie von Igor Stravinsky war herauszuhören.

Ganz andere Klangfarben entfaltete das Orchester mit Ottorino Respinhis "Pini di Roma". In den vier abwechslungsreichen Teilen erklang anfangs Kinderspiel. Man hörte heiteren Tanz und Ringelreihen, Autohupen und Kindergeschrei. Im größten Trubel brach die Komposition ab und wechselte in eine sehr bedächtige Stimmung, die den Eingang einer Katakombe umspielte. Ein wehmütiger Gesang erhob sich und das tiefe Blech legte eine geheimnisvolle Atmosphäre in den Raum.

Im dritten Teil wiegten sich die Pinien und man hörte Nachtigallengesang. Zum Schluss fühlten sich die Zuhörer mitten in ein Schlachtengetümmel versetzt. Denn ein Teil der Bläser hatte auf der Empore Position bezogen und so erklangen die Triumphmelodien von hinten und von vorne.

Nach der Pause begeisterte das Orchester mit George Gershwins "Rhapsody in Blue", bei der der Pianist Ingo Dannhorn mit einem fulminanten Solo staunen ließ. Schon 2000 hatte das Orchester mit Kees Vlaks "Westcoast Concert" eine Melodie gespielt, die an die Rhapsody in Blue erinnerte.

Das abschließende "Piece of Mind" des amerikanischen Komponisten Dana Wilson sollte als ein Stück über den menschlichen Geist, seine Seele und Sinnsuche verstanden werden. In dem assoziativen Teil "Remembering" blitzten taktweise Bilder und Dialoge in Form von eingängigen Big-Band-Kompositionen auf. "Feeling" erforschte die Gefühlszustände und schlug dem Publikum mal als sanfte Welle, mal als überschlagende Brandung entgegen. Viel Schlagwerk, in dem auch die Schwestern Vanessa und Jessica Porter mitspielten, trug den metaphernreichen Schlusssatz. Großer Applaus für ein anspruchsvolles und mitreißendes Konzert.